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Gemeinde Finnentrop, Einwohnerzahl: 10 (Stand
31.12.2006), Naturpark "Homert", Höhenlage
525 m.
Ein großer Teil
der historischen Orts-, Flur- und Gewässernamen ist heute in seinem
Sinngehalt nicht mehr ohne weiteres zu verstehen und bedarf einer
Klärung, die jedoch aus verschiedenen Gründen nicht immer möglich
ist oder sich auf Teile eines Namens beschränken muss.
Im Sauerland, das zum niederdeutschen
Sprachbereich gehört, kommt noch hinzu, dass ursprünglich hier eine
andere Sprache gesprochen wurde als das heutige Hochdeutsch.
Namen zeigen
allgemein ein starkes Beharrungsvermögen und bewahren eine alte,
natürlich im Laufe der Jahrhunderte immer unverständlicher werdende
sprachliche Gestalt, die dann oft zu erklärenden Ergänzungen oder
Änderungen führt, welche mit dem ursprünglichen Sinn nichts mehr zu
tun haben.
Ein solcher Orts-
und Flurname ist auch „Faulebutter", der in keinem erkennbaren
Sinnzusammenhang mit den heutigen Verhältnissen steht und zu
mancherlei spöttischen Anmerkungen oder auch zum Lachen Anlass gibt.
Die wenigen Gebäude der aus zwei alten Höfen bestehenden Ansiedlung
sind keine eigenständige Ortschaft, sondern gehören zu Weuspert.
Dort war eine Kapelle und bis vor etwa 35 Jahren auch eine
einklassige Schule.
Der Mittelpunkt
von Faulebutter liegt bei 512 m über NN, die Feldflur teilweise
erheblich höher. Diese Höhenlage ist für die Landwirtschaft im
Sauerland schon schwierig. Gegenüber umliegenden Mulden- oder
Tallagen ist die Vegetationsperiode kürzer, die Gefahr von
Ernteausfällen größer. Seit der Einführung der künstlichen Düngung
mit der Möglichkeit, das Wachstum der Feldfrüchte zu beschleunigen
und zu stabilisieren, ist diese Gefahr in der Neuzeit geringer
geworden.
Wie real sie gewesen ist,
verrät die frühere Form des Namens Weuspert, der aus „Wustenbracht"
entstanden ist. Nach Paul Moog¹,
der sich auf Hömberg und Seibertz stützt (Urk.B.
551 § 26 und 158, 665 § 283), belehnte Graf Ludwig von
Arnsberg (1281 bis 1313) „Franko von Ostentrop und Gobel
von Langenol mit je einem Hof in Wustenbracht, Graf
Gottfried IV. (1338 bis 1368) den Rutger von Lenhausen mit
zwei Höfen und vier Kotten sowie mit den homines
infrascriptos Gerbertum de Wustenbracht". Weiter zitiert
Moog: „nach einer Lehnsrolle des Walrave to Wenne trug
Hermann van Frielentrop genand van Helden `den Hof
Woesteberg und gantzen Woesteneye met aller tobehoringe
gelegen in dem Kirspel Schönholthausen' von ihm zu Lehen
(Archiv Wenne)." Aus den zitierten Urkunden geht
eindeutig hervor, dass Teile der Ortschaft Weuspert im
späten Mittelalter zumindest zeitweilig wüst gelegen haben,
also nicht landwirtschaftlich genutzt wurden, wahrscheinlich
bedingt durch die Höhenlage, die schon bei geringfügigen
Klimaschwankungen zu Ernteausfällen führte.
Von dieser
Feststellung her ergibt sich auch eine Erklärung für den Namen
„Faulebutter". Das mittelniederdeutsche „vûl" (faul) wird von August
Lübben erklärt als „durch Fäulnis verdorben",²
während der zweite Wortbestandteil „bôt" Ernte
bedeutet. So heißt nach Lübben die nur zur Erntezeit eingestellte
Magd „bôtmaget" (Erntemagd). Die Zusammensetzung „vûlbôt" bezeichnet
somit „die durch Fäulnis verdorbene Ernte", was bei der Höhenlage
der „Faulebutter" nicht selten gewesen sein dürfte.³
Die Tatsache, dass
der gleiche Name an einem untersonnigen und kaum für
landwirtschaftliche Zwecke zu nutzenden Seitentälchen der Lenne in
der Nähe von Meggen haftet, kann als Bestätigung verstanden werden.
Es ist
allenthalben zu beobachten, dass Namen wie „Faulebutter", die lange
Zeit nur „erlitten" wurden, heute durch geschicktes Marketing sich
durchaus als vorteilhaft erweisen können. Ihre Vorzüge sind
Originalität und Einprägsamkeit. Letztlich gehört dazu auch der
Begriff „Sauerland". |